Eisenach
Am nördlichen Rand des Thüringer Waldes
Jeder von uns hat schon einmal von der Wartburg gehört, die wiederum durch den Aufenthalt von Martin Luther berühmt wurde. Dessen Mutter stammte übrigens aus Eisenach und fast zweihundert Jahre später wurde hier der berühmte Komponist Johann Sebastian Bach in Eisenach geboren.
Zu DDR-Zeiten lebte Eisenach von der Automobilindustrie, denn der Wartburg, das zweite Auto neben dem Trabi, wurde hier produziert. Die Stadt im Westen des Thüringer Beckens hat aber noch vieles mehr zu bieten als nur eine Burg und Autos.
Die ersten Siedlungen entstanden auf den westlichen Hängen des Hörseltals. Die Hörsel fließt durch das Tal, im Osten entstehen die Hörselberge und gegenüber sind die flacheren Hänge geeignet, um zu siedeln. Im Süden steigt der Thüringer Wald in die Höhe. Auf dem höchsten Punkt wurde dann die Wartburg erbaut.
Die Drachenschlucht
Wir suchen zu Beginn unseres Wochenendes aber zuerst einen niedrigen Punkt, nämlich die berühmte Klamm „Drachenschlucht“. Und das Tolle ist, direkt auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich die „Landgrafenschlucht“. Wenn man wollte könnte man den Hinweg durch die eine Schlucht und den Rückweg durch die andere Schlucht nehmen.
Die Schluchten befinden sich im Naturschutzgebiet „Hohe Sonne – Wartburg“ und wurden vor ca. 150 Jahren begehbar gemacht. An ihrer engsten Stelle ist die Drachenschlucht nur ca. 70 cm breit. Knapp drei Kilometer schlängelte sich der Weg durch die Felsen.
Drachen begegnen wir heute übrigens nicht mehr, der letzte Lindwurm , der in der Drachenschlucht hauste, wurde von Georg dem Drachentöter besiegt und das ist auch schon lange, lange Zeit her.
Die Wartburg
Eine der wichtigsten Burgen in Deutschland
An der Wartburg kommen wir natürlich nicht vorbei, wenn wir hier in der Gegend sind: Erbaut wurde sie von Ludwig dem Springer, ein Landgraf aus dem Geschlecht der Ludowinger, den wir schon ein Stückchen weiter in Freyburg auf Schloss Neuenburg kennengelernt haben siehe hier.
Ludwig kam in die Gegend und war begeistert: „Wart! Berg, du sollst mir eine Burg werden!“ Problem war, das Land gehörte ihm nicht und mit seinem Dutzend Rittern hatte er keine Chance, das Land zu erobern. Also wendete er einen Trick an: Er schaffte Erde von seinem Land herbei und seine Ritter schworen dann vor Gericht, dass seine Schwerter in seiner Erde steckten. So konnte er mit dem Bau einer Burg beginnen.
Aus dem kleinen Flecken Land rund um die Wartburg wurde die Fläche immer weiter vergrößert, bis Ludwig die gesamte Gegend rund um das heutige Eisenach besaß (wie er das genau anstellte ist bis heute nicht geklärt!).
Die erste Blütezeit erlebte die Wartburg um 1200 unter Hermann I, der Kultur förderte. Unter ihm passierte der Sängerkrieg, wahrscheinlich nur eine Legende, heute eine gewachsene Sammlung von deutschen Sangspruchgedichten. Das war damals so, wie wenn heute Westernhagen, Grönemeyer, Ärzte und Selig uvm. auf einem Festival um die Krone des gepflegten Deutschen Rocks streiten würden. Damals hießen die Künstler Walther von der Vogelweide oder Wolfram von Eschenbach.
Kurze Zeit später lebte die ungarische Königstochter Elisabeth auf der Wartburg. Sie wurde für ihr aufopferungsvolles Wirken für Arme und Kranke weltberühmt und heiliggesprochen.
1521 versteckte sich Martin Luther auf der Wartburg und lebte hier unter dem Namen Junker Jörg etwa zwei Jahre. In seiner kleinen Kammer übersetzte er das Neue Testament in die deutsche Sprache.
Wir empfehlen eine geführte Burgbesichtigung! Ansonsten kommen die Besucher nicht in die Gebäude und Säle hinein. Und die haben es in sich: Sowohl die Geschichten von Ludwig dem Springer als auch des Sängerkrieges und der Heiligen Elisabeth sind in aufwendigen Mosaikbildern festgehalten.
Als Belohnung gibt es nach der Führung im Wartburg Café einen leckeren Cappuccino und eine Waffel mit Waldbeeren – ebenfalls Pflicht wenn ihr hier zu Besuch seid.
Alle Infos, Öffnungszeiten, Preise und Veranstaltungen findet ihr hier.
Vom Buchenwald zum Urwald
Nationalpark Hainich - der (unnötig) harte Kampf um mehr Wald
Der Nationalpark Hainich erstreckt sich über 7500 Hektar und liegt nordöstlich außerhalb von Eisenach. Wie so oft im Osten legte ein ehemaliger Militärübungsplatz die Grundlage für den Park. Hauptzweck bestand von Beginn an und besteht weiterhin darin, den alten, heimischen Buchenwald zu schützen und den ersten Urwald Deutschlands anzulegen.
Die ersten großen Schritte wurden bewältigt: Der Naturpark Hainich zählt zum UNESCO-Weltnaturerbe „Buchenurwälder und Alte Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“.
Heißt: Hier wachsen die letzten verbliebener Reste von großen, unzerschnittenen Buchenwälder mitteleuropäische Ausprägung. Seit Jahrzehnten kämpfen die engagierten Naturschützer um jeden Quadratmeter – verbinden Wäldchen, genannt Hainich, zu zusammenhängenden Wäldern. Wie immer ist es eine stetige Auseinandersetzung zwischen Naturschutz, Geldern und Politik. Nach und nach wurden Erfolge verzeichnet und bis 2009 wurde der Park erheblich vergrößert: Mit knapp 150 km“ ist der Hainich mittlerweile das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands!
Alle Information zu Geschichte und Entstehung des Parks sowie aktuelle Termine, Führungen und Aktion findet ihr hier.
Wolf, Wildkatzen und Rindenkäfer
Der Tier- und Pflanzenwelt geht es aufgrund der zusammenhängenden Fläche natürlich bestens. Ein funktionierendes Stückchen Natur wurde geschaffen: Unsere tierischen Lebewesen finden hier ideale Bedingungen, das Nahrungsangebot ist ausreichend und es wird für Nachwuchs gesorgt. Samen von Pflanzen und Bäumen werden durch Vögel und Pflanzenfresser verbreitet und – das Wichtigste – es wird keine Forstwirtschaft betrieben.
Neben den großen Säugern wie Wolf (seit 2024 hat sich ein Wolfspärchen sesshaft gemacht und Wildkatze tut dieser Lebensraum natürlich auch den wichtigeren Insekten gut. Zum Beispiel wurde hier eine als ausgestorben geltende Käferart entdeckt: In Deutschland leben 115 Urwaldreliktarten, eine davon ist der Rindenkäfer. Der lebt unter morscher Buchenrinde und galt in Deutschland als ausgestorben, bis er 1998 hier im Nationalpark Hainich entdeckt wurde.
Ein Dorf für Wildkatzen
Wir waren im Süden des Nationalparks unterwegs und besuchten das Wildkatzendorf Hütscheroda.
Hier steht alles ganz im Zeichen dieser scheuen Waldbewohner. Im Besucherzentrum verweilen wir für zwei Filmchen und brechen dann auf zum Gehege. Hier leben derzeit vier Kuder (so lautet der Fachbegriff) in großzügigen Gehegen und wenn ihr Glück habt seht ihr auch einen Luchs. Die informative Führung dauert zwar nur eine halbe Stunde, ist dadurch geeignet für Kinder (nebenan gibt es noch einen Spielplatz) und wir sind hautnah bei der Fütterung dabei.
Für die Wanderer unter uns geht es anschließend auf Tour zum Hainichblick. Vom Gehege aus gehen wir auf dem Wildkatzenpfad, der dann über zu einem abwechslungsreichen, einfachen Rundweg führt.
Unter anderem geht der Weg durch einen zwanzig Jahre alten „Jungwald“, wir treffen eine uralte Eiche, wir laufen über ehemaliges Militärgelände und schließlich erreichen wir den Aussichtsturm „Hainichblick“. Dieser wurde im Juni 2011 eröffnet und lädt mit Infotafeln, Bänken und Tischen sowie einem grandiosen Ausblick ein.
Den Abschluss macht eine Sammlung von Kulturskulpturen, die auf der Weide stehen.
Back to nature - wenn auch nie wirklich weg
Wir holen euch ab und bringen euch zurück in die Natur: Unser Blog soll euch unterhalten, inspirieren und motivieren, eure Träume und Ziele in den Bereichen Reisen und Naturerlebnisse zu verwirklichen.
Ich weiß, ich weiß, es gibt andere Prioritäten, Verpflichtungen und Abschnitte im Leben, in denen unsere Zeit in der Natur einfach zu kurz kommt. Damit ist nun Schluss: Raus aus deiner Komfortzone und dem Hamsterrad!
B-ontour – das B steht für unseren Familiennamen Brendle – ist eines von mehreren Projekten. Hier findet ihr unsere anderen Webseiten: Viel Spaß beim Stöbern!

































